Sorge um Pflegenachwuchs Rita Klöpper MdL erlebt Arbeitsalltag im Caritas-Seniorenzentrum St. Ursula

1Hürth (al.) Die bundesweite Woche des bürgerschaftlichen Engagements bot den Rahmen für eine besondere Aktion des Kölner Diözesan-Caritasverbandes. Die NRW-Langtagsabgeordneten erhielten die Einla-dung, in ihrem Wahlkreis ein kurzes Praktikum im sozialen Bereich zu absolvieren. „Den Politikern sollte so die Möglichkeit gegeben werden, die Arbeit der Menschen an der Basis besser kennenzulernen", erläutert der Kreiscaritasdirektor Arnold Biciste. Wenn sie die Praxis hautnah erlebten, könnten sie Entscheidungen in der Sozialpolitik besser treffen.
Die CDU-Abgeordnete Rita Klöpper aus Frechen nahm die Herausfor-derung gerne an und verbrachte den gestrigen Tag anstatt am Schreib-tisch ihres Landtagsbüros gemeinsam mit Bewohnern des Caritas-Seniorenzentrum St. Ursula in Hürth. Nach der Teilnahme an der übli-chen Morgenrunde aller Fachbereiche des Hauses wurde sie der Krea-tivgruppe des Wohnbereiches für Demenzerkrankte zugeteilt, wo sie mit den Senioren zusammen Dekorationen für das Haus bastelte. Dass in der Gruppe das gesellige Beisammensein und das Gespräch im Vor-dergrund steht, war für die schon früher ehrenamtlich in der Senioren-arbeit engagierte Politikerin keine Hürde. Sofort stellte sie Kontakt her und brachte die Bewohnerinnen und Bewohner mühelos dazu, von sich und ihrer Herkunft zu erzählen und mit ihr zu scherzen.
Von Heimleiter Joachim Zimmer erfuhr Rita Klöpper von dessen Sor-gen, ausreichend Fachkräfte für die Pflege zu bekommen. Immer öfter müsste im Vertretungsfall auf Personal von Zeitarbeitsfirmen zurückge-griffen werden, um die Mitarbeiter nicht noch mehr zu belasten. Die Zahl der im Kreis jährlich ausgebildete Nachwuchskräfte sei außerdem viel zu niedrig, der Beruf für viele von den Arbeitszeiten her zu schwer mit Familie zu verbinden. „Die Hauptarbeit in einem Haus mit 128 Bewohnern fällt eben ab 7 Uhr an, wenn die Bewohner aufstehen wollen, was junge Mütter vor unlösbare Probleme bei der Kinderbetreuung stellt". Eher überrascht zeigte sich die CDU-Frau, dass die durchaus angeme-sen erscheinenden Einkommen im Pflegeberuf nicht Ursache für das Nachwuchsproblem sind. Hinzu komme laut Zimmer, dass vielleicht in Zukunft durch einen etwaigen Wegfall des Zivildienstes noch weniger Männer den Zugang zum Pflegeberuf fänden.
Im Anschluss begleitete Frau Klöpper die Leiterin des Sozialen Dienstes Ulrike Liebens noch zu einer Spielgruppe, betreute Bewohner einfühl-sam beim Mittagessen und führte ein Gespräch mit Mitgliedern des Be-wohnerbeirates. Diese lauschten interessiert ihrem Bericht aus dem Alltag im Langtag und nahmen vor allem begeistert auf, dass Frau Klöpper als frisch erkorene Vorsitzende des Petitionsausschusses für alle Anliegen der Bürger offen ist. „Jedem steht es zu, seine Anliegen auf diesem Weg direkt an die Regierenden heranzutragen", betonte die erfahrene Politikerin und verwies auf ihre Bürgersprechstunde.
Nach diesem Tag zog sie das Resümee, dass es sich gelohnt habe zu kommen. Auch wenn sie schon vorher durch ehrenamtliche Tätigkeiten gewusst habe, wie schwer die Arbeit in einem Altenheim sei, so solle doch jeder Politiker einmal ein soziales Jahr absolvieren, um wirklich zu wissen, was los sei.
© Rita Klöpper 2017